Geschichte

Bernstein hat den Menschen schon immer fasziniert. Da er als Zeichen von Luxus und Macht gesehen wurde, wurde er schon sehr früh als Schmuck verarbeitet. Dass der Stein so strahlend aussieht und gleichzeitig weich ist, hat geholfen. Es war halt möglich, selbst mit den einfachsten Mitteln, ein Amulett oder ein anderes Prunkstück daraus herzustellen.

So gibt es bereits aus der Jungsteinzeit, um 8.000 v.Ch.., zahlreiche Funde amber009003verarbeiteten Bernsteins in Nord- und Mitteleuropa. Oft wurde er den Toten mit ins Grab gegeben. Auch einige im Mittelmeerraum und in Ägypten gefundene Objekte sind mehr als 6.000 Jahre alt. Weitere archäologische Funde bezeugen, dass schon zur Bronzezeit ein reger Bernsteinhandel zwischen den Fundstätten an der Ostsee und dem Mittelmeer bestand. Zwei breite Goldringe, in die je eine Bernsteinscheibe eingelassen war, fanden sich in Südengland, und ein beinahe identisches Exemplar ist aus dem griechischen Mykene bekannt (16.-11. BC.). In ganz Europa wurde Bernstein bei Bronzenadeln und Bronzeketten, als Einlage in Schwertgriffen, als Anhänger und Ringe verarbeitet.

In der griechisch-römischen Antike war Bernstein höchst beliebt und begehrt. Einerseits, benutze man den Stein als Luxus-Gebrauchsgegenstand: Man trank aus Bernsteingefäßen, nutzte den Stein für Gravuren, fertigte Spielfiguren daraus. Er zierte alles, was von Wert war, und wohlhabende Frauen färbten ihr Haar bernsteinfarben. Auch als Tauschobjekt und Zahlungsmittel wurde Bernstein im Laufe der Geschichte häufig genutzt. Andererseits wurde auch zu dieser Zeit erkannt, dass Bernstein sich elektrostatisch aufladen kann. Der griechische Philosoph Aristoteles berichtet darüber. Außerdem soll er die Fundregionen an der Nordsee besucht haben.

Um bei einem solch großen Verbrauch den Nachschub zu sichern, wurden Bernsteinstrassen quer durch Europa angelegt. Kaiser Augustus ließ eine Passstraße über die Alpen errichten, sein Nachfolger baute diese dann als Militärstraße weiter aus, von dem heutigen Ljubljana bis an die Donau.

Im Mittelalter erlebten die Werkstätten Königsbergs und Danzigs (heute: Kaliningrad und Gdansk), wo Bernstein verarbeitet wurde, eine Blütezeit. Das katholische Danzig war auf die Produktion religiöser Objekte spezialisiert, wie etwa von Rosenkränzen, Hausaltären und Heiligenfiguren. Das protestantische Königsberg stellte Gebrauchsgegenstände wie Bestecke, Brillengläser, oder Kerzenleuchter, her.

Zur gleichen Zeit erlebten die Bewohner der Fundregion eine Schreckenszeit. Da Bernstein die ergiebigste Einnahmequelle des amber011003Deutschen Ordens war, stellte dieser die Gewinnung des fossilen Harzes, sowie seinen Verkauf in ganz Ost- und Westpreußen unter Hoheitsrecht. Das so genannte „Bernsteinregal“ verbot den Besitz von Bernstein. Die Küstenbewohner wurden gezwungen, den Stein zu sammeln und bei ihren Herren abzuliefern. Wer etwas behielt oder Handel damit trieb, konnte mit dem Tod bestraft werden. Um Diebstähle von vornherein auszuschließen, mussten die Küstenbewohner, verschiedenen Berichten zufolge, unbekleidet nach Bernstein suchen und tauchen. Da die Bernsteinlese nach Winterstürmen besonders ergiebig ist, war das keine besonders angenehme Arbeit. Frauen, Kinder und alte Leute mussten täglich an den Strand. Erfüllten sie ihr festgesetztes Soll nicht, hatten sie mit Folgen zu rechnen.

Im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts erlebte die künstlerische amber012004Bernsteinbearbeitung ihren Höhepunkt. Wahre Zentren der Bernsteinverarbeitung entstanden quer durch Nord- und Mitteleuropa. Die preußischen Herrscher benutzten „ihr Gold“ für Repräsentationszwecke und ließen Spielsteine und -bretter, Pokale, Konfektschalen, Degengriffe, Schatullen, Pokale, sowie andere repräsentative Sachen daraus fertigen. Der preußische Hof gab Hunderte von Kunstgegenständen aus Bernstein und sogar Bernsteinmöbel in Auftrag, die als Hochzeits- oder politische Geschenke in andere Länder gelangten. Das berühmteste Beispiel ist das legendäre Bernsteinzimmer. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. schenkte es dem russischen Zaren Peter der Große. Nach 1800 erlosch das höfische Interesse am Bernstein. Naturwissenschaftler hatten „herausgefunden“, dass Bernstein kein richtiger Edelstein ist, sondern „nur“ Millionen Jahre altes Harz. Die Römer wussten dies schon. Im Mittelalter, aber war man überzeugt, Bernstein sei ein Edelstein und käme aus dem Meer.

Nach der Erfindung des Pressbernsteins, um 1880, begann man in Ostpreußen mit der industriellen Gewinnung des Bernsteins durch Tagebau. Wegen des stark steigenden Angebotes wurde Bernsteinschmuck für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. In dieser Zeit findet man es bei all möglichen Kunst-, Schmuck- und Gebrauchsgegenständen. Anfangs wurde Pressbernstein viel und häufig verwendet. Doch später wurde es von neuem, billigerem Kunststoff verdrängt.

Heute werden jährlich einige hundert Tonnen Bernstein gefördert und verarbeitet. Jedoch wird nur ein kleiner Teil für die Schmuckherstellung genutzt. Der Löwenanteil des gesammelten Bernsteins wird eingeschmolzen und in der Industrie benutzt, sei es zur Medikamentherstellung oder auch zur Produktion hochwertiger Lacke, Öle und Säuren. Auch kann Bernstein als elektrischer Isolator benutzt werden, da sein Widerstand größer ist als der von Porzellan.

Während Bernstein zu Zeiten des Kalten Krieges in Osteuropa sehr populär war, verkam Bernsteinschmuck in Westeuropa „zum Schmuck für alte Leute“. Mit dem Ende der Soviet-Union und dem Fall der innereuropäischen Grenzen erlebt das „baltische Gold“ eine neue Boomzeit. Einerseits öffnen sich für die Wissenschaftler die Türen des ehemaligen Feindes. Universitäten und Labore mit Sammlungen von Inklusen gilt es zu erforschen. Zudem wissen Länder wie Polen ihr ganz besonderes Produkt gut zu vermarkten. Kiloweise Silber wund Gold werden mit Bernstein verarbeitet. Und zusätzlich entdecken viele Menschen heute die natürlichen medizinischen Fähigkeiten des fossilen Harzes neu. So kommt es, dass Bernstein, und ganz besonders Naturbernstein, heute erneut voll im Trend liegt.